Vierter Schulstandort eröffnet
In der neuen Tourismusschule der WKS in Bramberg, die am 6. Dezember offiziell eröffnet wurde, herrscht geschäftiges Treiben. Rund 200 SchülerInnen absolvieren hier ihre Ausbildung. Der Schulstandort hat eine lange Tradition. 2010 wurden die Weichen für eine Neuausrichtung gestellt. Seit diesem Schuljahr werden die Wirtschaftsschulen als Tourismusschule mit dem Schwerpunkt "Nachhaltiger Tourismus" weitergeführt. Die Wirtschaftskammer Salzburg ist mit der Erzdiözese sowie den Oberpinzgauer Gemeinden eine Partnerschaft eingegangen, hat ihr Angebot um einen vierten Standort erweitert und im tourismusstärksten Bezirk des Landes eine maßgeschneiderte Ausbildung geschaffen.
Neuer Anreiz durch neue Schulform
Mit dem Gong der Pausenglocke wird es in der Aula still, die letzten zwei Schüler huschen noch bei der Tür herein und verschwinden in ihren Klassenzimmern. Ein Großteil von ihnen kommt aus Bramberg und den benachbarten Gemeinden. Durch die Schaffung des neuen Ausbildungsangebots und den in der Form in Österreich einzigartigen Schwerpunkt erweitert sich das Einzugsgebiet aber spürbar. "Wie wir gehört haben, dass in Bramberg eine neue Ausbildung angeboten wird, haben wir uns gleich angemeldet. Die Kombination aus Matura und Tourismus ist für uns sehr reizvoll", betonen Eva Zachenhofer, Burgi Gianmoena und Martina Hechenberger.
Die drei Freundinnen aus Tirol machen den dreijährigen Aufbaulehrgang für Tourismus und sind gerade am Sprung. Sie ziehen sich vom Kochunterricht um, denn jetzt steht Servieren im neuen Lehrrestaurant am Stundenplan. Nachdem sie eine dreijährige landwirtschaftliche Fachschule absolviert haben, müssen sie einige fachpraktische Stunden nachholen. "Natürlich haben wir speziell in der Anfangsphase um einiges mehr zu tun als unsere KollegInnen. Aber das ist kein Problem, denn es macht sehr viel Spaß", bekräftigen die jungen Tirolerinnen.
Neue Lehrküche und neues Restaurant
Die Neuausrichtung der Schule erforderte auch infrastrukturelle Veränderungen. Um den touristischen Schwerpunkt umsetzen zu können, wurde neben einem zusätzlichen modernen Lehrrestaurant auch eine zweite Lehrküche errichtet. Dort geht es momentan zu wie in einem Bienenstock. Kochlehrerin Marlies Paulitsch hat einiges zu tun, doch sie hat "die Meute" fest im Griff und der Biss in die ofenfrischen Kekse zeigt, dass die SchülerInnen ihr Handwerk verstehen.
Ruhiger läuft es im Rechnungswesen-Unterricht in der 1. Klasse Hotelfachschule ab. Die 22 SchülerInnen lauschen aufmerksam den Ausführungen von Gernot Sinnhuber, der ihnen etwas über Personenkonten beibringt. Die Hotelfachschule ist neben dem Aufbaulehrgang die zweite touristische Schulform, die seit diesem Herbst in Bramberg angeboten wird. "Das Timing war für mich absolut perfekt. Ich wollte immer schon in eine Hotelfachschule gehen und hätte ansonsten pendeln oder in ein Internat gehen müssen", freut sich die junge Brambergerin Andrea Größig.
Die 14-Jährige möchte später im Ausland arbeiten, das war auch einer der Gründe, warum sie sich für eine touristische Ausbildung entschieden hat: "Außerdem hab ich gerne mit Leuten zu tun und daher ist der Tourismus für mich optimal." Derzeit sei alles noch ganz neu und es gäbe viel zu lernen, aber durch die vielen praktischen Fächer wie Servieren und Kochen sei der Unterricht recht abwechslungsreich.
Schuluniform: Kür anstatt Pflicht
Durch die Umstellung auf den neuen Schulbetrieb haben sich nicht nur die Lehrpläne verändert. Seit Herbst tragen alle SchülerInnen eine einheitliche Schuluniform. "Unser Auftreten macht auch bei den Einheimischen Eindruck. Wir bekommen immer wieder Komplimente. Das Netteste für mich ist aber, dass ich in der Früh ein paar Minuten länger im Bett habe. Denn ich muss mir nicht mehr überlegen, was ich anziehe", sagt Schulsprecherin Pia Steiner mit einem Augenzwinkern. "Die Leute im Ort wissen sofort, woher wir kommen. Sie fragen auch immer, wie uns die Ausbildung gefällt und man kommt dadurch schnell ins Gespräch", ergänzt Schulkollege Lukas Stöckl. Noch besser findet er, dass jetzt alle gleich ausschauen und niemand mehr nach der Kleidung beurteilt werden kann.
Erfahrung in der Praxis sammeln
Sowohl in der Hotelfachschule als auch im Aufbaulehrgang für Tourismus muss - im Gegensatz zu den bisherigen Schulformen - ein verpflichtendes Praktikum absolviert werden. Jennifer Lemberger, Christina Moser und Theresa Kopeza stört das nicht. Sie haben die Fachschule für wirtschaftliche Berufe absolviert und sind in den neuen Aufbaulehrgang für Tourismus eingestiegen. Wo sie ihr Praktikum machen werden, das wollen sie noch nicht verraten: "Das ist noch geheim. Das Ausland wäre halt schon sehr reizvoll", lassen sie sich entlocken, bevor der Pfiff von Sportlehrer Stefan Wallner ertönt und die Mädchen ihre Station wechseln. Sie absolvieren gerade ein Zirkeltraining in der neuen Turnhalle.
Bisher hatte die Schule keine eigene Sportmöglichkeit, für den Turnunterricht musste in die Hauptschule ausgewichen werden. Die neu errichtet Halle, die vor wenigen Wochen auf der hinteren Seite des Schulgebäudes fertig gestellt wurde, spielt "alle Stückerl". Es gibt auch eine eigene Kletterwand, die den SchülerInnen und dem Sportverein zur Verfügung steht.